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München,02.04.2001

Sehr geehrter Herr Sauvage,

vielen Dank für Ihr Schreiben, in dem Sie sich für den Erhalt des Goethe-Instituts Lille in seiner gegenwärtigen Form einsetzen. Die vielen Zuschriften, die wir erhalten hahen, demonstrieren eindrucksvoll das Interesse an der Arbeit unseres Goethe-Instituts in Lille und dessen Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen unseren beiden Ländem.

Selbstverständlich bedauert auch der Vorstand, dass das Goethe-Institut seine Arbeit an vielen Orten nicht in der gleichen Weise fortsetzen kann wie bisher. Auf der anderen Seite ist die Auswärtige Kulturpolitik, in deren Rahmen das Goethe-Illstitut agiert, ein Instrument der AuBenpolitik und muss als solches politische Sparvorgaben genauso umsetzen wie die Auslandsvertretungen. Die Bundesregierung hat mit dem Ziel, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, umfangreiche Mittelkürzungen für die einzelnen Ressorts beschlossen. Die Auswärtige Kulturpolitik ist von diesen Einsparungen nicht verschont geblieben. Bedauerlicherweise sind daher auch Einschnitte in das Netz der Goethe-Institute nicht zu vermeiden: Das Goethe-Institut muss bis zum Jahr 2003 mit Einsparungen bis zu etwa DM 41 Mio. rechnen. Zusätzlich sind die Handlungsspielräume des Goethe-Instituts aufgrund der Euro-Schwäche, die unseren Haushalt in diesem Jahr mit rund 10 Mio. DM zusätzlich belastet, extrem eingeschränkt.

Gleichzeitig ist das Goethe-Institut aufgefordert, seine Strukturen zu modemisieren und den neuen Gegebenheiten nach den groBen weltpolitischen und technologischen Umbrüchen anzupassen. Dies bedeutet auch, Kooperationsformen auch mit privaten, nichtstaatlichen Organisationen einzugehen.

Völlig zu Recht verweisen Sie auf die politische Wirkung einer InstitutsschlieBung - insbesondere-im -europäischen Umfeld. Sie werden allerdings der Presse sicherlich entnommen haben, dass das Goethe-Institut mit seinen Umstrukturierungen nicht allein steht und dass British Council und Institut Francais in ihren Plänen wesentlich weiter gehen.

Vor diesem Hintergrund ist beschlossen worden, das Goethe-Institut Lille umzustrukturieren. Aufgrund der Einsparvorgabe der Bundesregierung ist das Goethe-lnstitut Inter Nationes (GIIN) gezwungen, auch in der Region Frankreich einen Beitrag für Einsparungen zu leisten. Bis zum Jahre 2003 ist eine Absenkung der Strukturkosten flir die Arbeit der Kulturinstitute des GIIN in der Region in Höhe von DM 3.000.000,-- vorgesehen. Nach eingehender Prüfung aller Umstrukturierungsvorschläge und Abwägung der kulturpolitischen und wirtschaftlichen Überlegungen für die künftige Arbeit von GIIN in Frankreich plant das Goethe-lnstitut Inter Nationes die Umstrukturierung des Kulturinstituts Lille als Kontakt- und Verbindungsstelle von GIIN in Nordfrankreich und als Bindeglied mit der Euroregion Nordfrankreich, Kent, Flandern und Wallonien.

Dem Kulturinstitut wird sommit als Hauptaufgabe die kulturelle Kontakt- und Verbindungsarbeit mit allen zuständigen Gremien aufgetragen. Es soll auBerdem exemplarische Programmveranstaltungen insbesondere mit europäischen Themenschwerpunkten (im Verbund mit dem Kulturinstitut Paris) initiieren und vermitteln. In diesem Kontext soll das am Institut angesiedelte Filmbüro künftig neben seiner regionalen Aufgabe die Betreuung der Filmfestivals in Frankreich übemehmen und mit spezifischen Filmprojekten Impulse geben und Akzente setzen

Das Kulturinstitut Lille wird in seiner neuen Form in der Eigenschaft als Kontakt- und Verbindungsbüro weiterhin Ansprechpartner für die verschiedenen Adressaten der Zusammenarbeit in den Bereichen Sprach-, Kultur-, Bibliotheks- und Informationsarbeit bleiben. Die bisherigen Aktivitäten des Kulturinstituts Lille im Bereich der PV -Arbeit und der allgemeinen, deutschlandbezogenen Informationsarbeit werden kiinftig im Rahmen der regionalen Konzeption vom Regionalinstitut in Paris nach MaBgabe der in der Region verbleibenden Ressourcen wahrgenommen. Das Regionalinstitut in Paris wird im Rahmen seiner Aktivitäten im Bereich der Sprachkurskooperation das Potential lokaler Sprachkursanbieter prüfen und diese bei Bedarf mit geeigneten MaBnahmen weiterqualifizieren. Mit Hilfe der modemen Informationstechnologie bleibt ein problemloser Zugang zu deutschlandbezogenen Informationen gewährleistet (homepage des Goethe- Instituts in Deutschland oder Paris).

Wir sind daher zuversichtlich, dass der kulturpolitische Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgem der wichtigen Region Lille auch mit Hilfe der neu zu entwickelnden Strukturen fortgesetzt werden kann.